Gemeinde Claußnitz

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Auf Halles neuen Universitätsmusikdirektor Türk kam nach 1779 viel Arbeit zu. Zuerst hatten unter seiner Leitung die musizierenden Studenten alle Feiern und Feste der Universität und danach auch die Geburts- und Todestage der Professoren musikalisch zu gestalten.
Musizierende Studenten Mitte 18. Jh.Aber auch einen ganz speziellen Effekt erhoffte sich die Leitung der Universität durch die Beschäftigung der Studenten mit Musik: "... theils (soll) ein unschuldiges edles Vergnügen von einer wohlgeordneten musikalischen Gesellschaft durch Konzerte und Singstunden befördert werden". Das hieß im Klartext, die Manieren der Studenten in der Öffentlichkeit waren miserabel  und das sollte durch die Beschäftigung mit der Musik gebessert werden.

Türk der Pädagoge, hatte letztlich auch damit Erfolg. Er verfügte über keine große Auswahl an geeigneten musizierfreudigen Studenten, so ging er es gelassen an. Wenn seine Musiker bei den Proben oder Aufführungen in den Gasthofsälen nur sonst tüchtig sangen und spielten, so durften sie bei ihm ruhig Bier trinken und die Pfeife rauchen.

Ein Beobachter konnte deshalb schon sehr bald feststellen: "Recht sichtbar aber hab ich von Zeit zu Zeit den Einfluß beobachtet, wie mit Verbesserung der Musik auch die Rauigkeit im äußeren sittlichen Verhalten an den Weisheitskindern ist verbessert worden, daß man schon nicht mehr die Raufbolde, Trinker, Kartenspieler antrifft, die sonst Geld, Zeit, Gesundheit […] verscherzten. Viele von ihnen finden jetzt an edleren Vergnügungen und feineren Sitten Geschmack. […]. Diese Klasse durch Musik gebessert und der Wissenschaft würdig gemachter Jünglinge, muß es vorzüglich ihrem geschätzten Beförderer, ihrem Türk verdanken …".

Bald nach seiner Ernennung zum Universitätsmusikdirektor schuf Türk 1780 eine bedeutsame  Kantate mit dem Titel "Der Sieg der Maurerey". Türk bedankte sich damit ausdrücklich für die "Großmut und Gewogenheit" der halleschen Freimaurerloge.  Obwohl er selbst wahrscheinlich kein Freimaurer war, hatten einflussreiche Logenbrüder seine Rechtschaffenheit und musikalische Größe erkannt, ihn gefördert und dazu beigetragen, Türks anfängliche materielle Beschränkung allmählich zu überwinden.

Am 26. April 1780 gab Universitätsmusikdirektor Türk mit seinen Studenten das erste öffentliche Konzert. Zur Aufführung kamen vor allem Arien und Duette für weibliche Stimmen.

Nun hatte es aber in Halle bereits seit Jahren eine Konzertreihe unter dem Sekretär Weinmann gegeben. Diese war mehr städtisch geprägt und sollten vielleicht auch Gelder für mildtätige Zwecke einspielen.  Nach längeren Verhandlungen vereinigten sich beide Konzertreihen schließlich in der Konzertsaison 1782/83. Türk übernahm die künstlerische Leitung und Weinmann den organisatorischen Teil.

Anfangs standen weltliche und geistliche Gesangswerke auf dem Programm, später auch die damaligen Opern und die Wiener Klassiker mit Haydn und Mozart. Mit den Kompositionen des jungen Beethoven  hingegen hat sich Türk kaum anfreunden können. Oft wurden in den Vorankündigungen überhaupt noch keine konkreten Werke genannt. Türk beriet sich dann mit Musikerfreunden und vervollkommnete die Werkauswahl bis zum Konzertbeginn ständig.  Eine solche schöpferische Unsicherheit ist ihm auch später geblieben und bewirkte, dass er schließlich zum bestmöglichen Ergebnis kam.

Halle war am Ende des 18. Jahrhunderts ein Zentrum besonderer (pietistischer) Frömmigkeit. Theateraufführungen waren deshalb zeitweilig verboten.  Auch auswärtige Künstler wollten manche Hallenser nicht gern auf ihren Bühnen sehen. Aus diesen Grunde traten bei den Konzerten anfangs fast nur einheimische Sänger ohne Kostümierung auf.

Die Hirten bey der KrippeWeihnachten 1802 wurde die groß angelegte Kantate "Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem" aufgeführt. Der volkstümlich gehaltene Text von Karl Wilhelm Ramler wurde zwar auch von anderen Komponisten vertont, jedoch fand Türk mit seiner Fassung besondere Aufmerksamkeit und Verbreitung. Die Kirchenmusik befand sich um 1800 in einem Wandel. D.G. Türks Vertonung der "Hirten" war deshalb so gehalten, dass das Werk nicht nur in Kirchen, sondern vielmehr im Konzertsaal aufgeführt werden sollte.   

Ein weiterer Verdienst D.G. Türks bahnt sich bereits im Jahre 1800 an. Er wurde zum Begründer der halleschen Händeltradition. Auf Wunsch des Publikums führte Türk das Oratorium "Das Alexanderfest" von Händel in einer Bearbeitung von Mozart in Halle auf.  1803 folgten dann mit dem "Messias" und 1805 mit "Judas Maccabäus" weitere Werke dieses deutsch-englischen Komponisten.

Der Kirchenmusik-und Opernkomponist Georg Friedrich Händel war 1685 in Halle geboren worden, ging später nach London und erfuhr großes Ansehen als Komponist am englischen Hof. Leider geriet die Händel–Ehrung danach durch die Napoleonischen Kriege für mehrere Jahre ins Stocken. 

Einen Blick auf die persönlichen Verhältnisse Daniel Gottlob Türks und die Verbindung zu seinen Claußnitzer Familienangehörigen erhalten wir durch einen Eintrag im Taufbuch der Claußnitzer Kirche:

Da wird dem Bruder Meister Christian Friedrich Türke und seiner Frau Johanna Rosina am 14. Juni 1780 ein Sohn mit Namen Christian Gottlob geboren. Die Taufe erfolgte 3 Tage später, am 17. Juni 1780. Als erster der üblichen drei Taufpaten wird "Hr. Daniel Gottlob Türcke, Music-Direktor der Academie, Cantor und SchulCollega an St. Ullrich in Halle" genannt.

Die Taufpaten sollten nicht nur die christliche Erziehung der Kinder begleiten, sondern das Patenamt hatte damals unter Umständen eine ganz praktische, lebenssichernde Funktion. Häufig kam es in früheren Jahrhunderten vor, dass Mütter nach der Geburt am Kindbettfieber starben, Väter bei Unfällen ums Leben kamen oder wie einstmals in Diethensdorf halbe Dörfer an Seuchen dahingerafft wurden. Zur Versorgung des Kindes traten dann die Paten an die Stelle der Eltern. Man war deshalb entsprechend seines Standes bestrebt, möglichst wohlhabende Familienmitglieder oder Bekannte für dieses Amt zu gewinnen.

In unserem Fall hat der Vater des Kindes, Strumpfwirkermeister Christian Friedrich Türcke seinen Bruder Daniel Gottlob Türk wahrscheinlich schon frühzeitig in einem wohlgesetzten Brief zum Patenamt eingeladen.

Ein ähnlicher Brief aus Claußnitz liegt übrigens in der Heimatstube vor.

Dass Daniel Gottlob Türk zur Taufe selbst anwesend war, ist eher unwahrscheinlich. Post und Reiseverkehr zwischen Halle und Claußnitz dürften jeweils fast eine Woche benötigt haben. Wie damals in solchen Fällen üblich wird D. G. Türk im Voraus sein Einverständnis gegeben haben und wurde dann am Tauftag von einer anderen Person aus dem Ort vertreten.(dpc)

 
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